Mit Highspeed nach Busan!

Gedichte vom Bergverlassen...

Zum letzten Mal sind wir dich erklommen, oh Berg.
Zum letzten Mal steigen wir dich hinab, oh Berg.
Heute kehren wir dir letztmals den Rücken, oh Berg.
Nie mehr spürst du die Sole unserer Schuhe Werk.

— traditionelles koreanisches Berglied

 

Erbarmungslos heiß
Der Schweiß läuft mir vom Gesicht
Der Berg ist besiegt

— Haiku, ersonnen in der Gipfelidylle

Die Jugend ist mir nah,
Den Frühling meiner Seele sieht jeder,
Die Sicht auf meinen Weg ist klar,
Meine Zukunft, leicht wie eine Feder.

Der Berg ist zach,
Der Winter macht sich breit,
Mein Körper gibt nach,
Meine Seele schreit.

— Traditionelle, koreanische Elegie

Mit dem KTX nach Busan

Mit einem herzlichen “Bye, bye Berg!” verließen wir heute zum letzten Mal die Wohnung in Seoul und stiegen unseren Berg hinunter. Die Koffer rollten nur so vor Freude. Mit Linie 2 und Linie 1 erreichten wir Seoul Station mit genügend Zeit, um noch einen Iced Coffee für unterwegs zu besorgen. Zum Essengehen war es schon zu spät, also schauten wir uns nach einem schnellen Snack um. Vor den Bahnsteigen fanden wir ein paar Optionen und holten uns ein koreanisches Sandwich mit Schinken, Käse und Weißkraut. Es war essbar. Dieses Sandwich erinnerte uns an unseren Oppa in Nagai, Osaka, wo diese Art Sandwich sehr, sehr viel besser schmeckte. Deshalb gibt’s auch kein Foto davon.

Blick auf die Bahnsteige

Wir fuhren mit dem KTX Bullet Train von Seoul nach Busan. Letzteres liegt am südöstlichen Ende von Korea und ist besonders für seine Strände bekannt. Die Reise dauerte 3 Stunden und 20 Minuten für 417 km. Es gibt auch Züge, die nur zweieinhalb Stunden brauchen, die sind dafür aber auch teurer. Die Zeiten sind vor allem auch beeindruckend, wenn man bedenkt, dass Korea zu ungefähr 70% aus Bergen besteht. Das macht sich besonders auf der Zugstrecke bemerkbar. In allen Richtungen nur Berge, kaum Flachland. Gefühlte 40% der Reise fand in Tunneln statt.

Typische koreanische Hochhauscluster, wie es sie überall in Korea gibt

Am Hauptbahnhof in Busan angekommen, schauten wir uns erstmal kurz um. Am Platz vor dem Haupteingang fand gerade eine Veranstaltung mit lauten Menschen mit Mikrofonen auf einer Bühne statt. Wir vermuten, dass es sich um eine Wahlveranstaltung eines der Präsidentschaftskandidaten gehandelt hat.

Sodann machten wir uns auf die Suche nach unserer neuen Wohnung. Mit den U-Bahn-Linien 1 und 2 fuhren wir in Richtung Strand. Es waren von 금련산역 (Geumnyeonsan-Station) auch nur noch ein paar Hundert Meter zu Fuß. Dabei erspähten wir schon den Strand.

Die Wohnung war super modern eingerichtet, sehr hell und mit Fenstern auf zwei Hausseiten. Und im 17. Stock hatten wir einen guten Ausblick auf einen Berg und den Strand.

Da es schon Abend war und wir natürlich etwas essen mussten, nutzten wir die Gelegenheit für einen Spaziergang auf der Strandpromenade. Hier am Strand gibt es sehr viele Essens- und Trinklokale, mit einer Mischung aus koreanischer und internationaler Küche. Uns fiel aber schnell auf, dass die Preise sehr touristisch gestaltet waren. Strand halt. Am verlockendsten war an diesem Abend “Burger in New York”. Tatsächlich kein schlechter Burger, aber definitiv nicht so gut wie angepriesen. Das Fleisch schmeckte etwas "gestreckt" und er hätte mehr Salz vertragen. Für den Preis hätten wir mehr erwartet. Dazu gab es ein Mandarinen-Bier von der Insel Jeju, welches eine fruchtige Note mit Unterton von Getreide aufwies.

Schaut zumindest richtig gut aus

Damit ging der Tag auch schon zu Ende; mit einem Besuch im Seven Eleven, wo es Egger Radler gibt.

Egger Radler in Korea!

Gyeongbu Highspeed Railway

Der Gyeongbu Highway und die Gyeongbu Line, sind die wichtigsten Verkehrskorridore Koreas. Sie verbinden Seoul im Nordwesten mit Busan im Südosten per Autobahn bzw. auf Gleisen. 1982 lebten in deren Einzugsgebiet etwa 65% der südkoreanischen Gesamtbevölkerung, 1995 sogar über 73%. So kam es Ende der 1970er Jahre zu permanenten Überlastungen, die dringend gelöst werden mussten. Nach mehreren Studien wurde klar: Ein separater Hochgeschwindigkeitszug musste her!
Auf Machbarkeitsstudien folgte viel Planung und die Gründung von Konsortien und Aufsichtsbehörden. 1992 startete dann der Bau einer Teststrecke zwischen Cheonan und Daejeon. Die Ausschreibung für die Systemtechnik, also Rollmaterial, Oberleitung und Signale, gewann GEC-Alsthom, heute nur noch als Alsthom bekannt, dem Hersteller des französischen TGV. Somit war die Fahrtechnik fast identisch mit dem französischen System.

Die Teststrecke wurde im Jahr 1999 fertig und 2004 konnte Phase 1 des Gyeongbu Highspeed Railways, zwischen Seoul und Daegu, in Betrieb gehen.
Der Bau für Phase 2, zwischen Daegu und Busan, wurde als separates Projekt im Jahr 2002 begonnen. Nach ein paar Verzögerungen durch Umweltstudien, technischen Gebrechen bei den verbauten Schwellen und wiederholten Hungerstreiks einer buddhistischen Nonne, konnte dieser Teil der Strecke 2010 fertiggestellt werden.

Die dicke blaue Linie ist der Gyeongbu Highspeed Railway

Die Gesamtlänge der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Seoul und Busan beträgt heute 417,4 km und wird in den schnellsten im Einsatz befindlichen Zügen, dem KTX-Cheongryong und KTX-Sancheon, in 2 Stunden und 26 Minuten mit zugelassener Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h zurückgelegt. Hat sich das Warten also gelohnt.

KTX-Sancheon